Artikel erschienen im Tages-Anzeiger/züritipp zur Ausstellung in der Galerie Commercio, Zürich von Fritz Billeter.

22. März 1986

Daniel Diggelmann hat Bilder in Ei-Tempera auf Baumwolle gemalt, manchmal unter Beimischung von Quarzsand. Diesen bringt er mit warmen, erdigen Farben zusammen, auf Bilder, bei denen eine Konzentration auf ganz wenige Formen erreicht: eine dunkle Öffnung, eine „Pyramide“ im Zentrum oder auf der Mittelachse der Gestaltungsfläche. Diese Bildergruppe legt Gemäuer, Behausung, Erdverbundenheit nahe. Andere Bilder deuten Horizonte an, Landschaftliches, Festländisches, das an „Himmel“ oder „Wasser“ stösst. Wieder andere Werke suggerieren südliche Nacht. Da schwimmen im Flächengefüge Fragmente von Mond und Gestirn. Beschworen werden Blautöne von herrlicher Tiefe; Rot kontrastiert mit Flaschengrün, dazwischen ein paar schwarze Akzente; weisse Linienspur und Schraffe legt sich leicht und verschwebend zwischen die Farbparzellen. Diggelmann hält sich auf einer Schwelle, da Erfahrung der Aussenwelt ins Innerseelische hineingenommen wird. Wiederholt ist diese Schwelle auch überschritten: „Tempel II“ zeigt in der oberen Zone ein schwarzes gelagertes Rechteck, darunter im Feld von Maron, etwas aus der Mittelachse gerückt, ein schmales, gerecktes Rechteck in Blau mit leicht schraffiertem Umfeld. Hier steht der Betrachter einem rein geistigen Raum gegenüber. Diggelmann gibt dem Geist durch Farbe und Form Körper, sinnliche Erfahrbarkeit.

 

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